Review – So war Rap for Refugees in der Markthalle Hamburg

Gerade fand das erste „Rap for Refugees“ Charity Konzert in der Markthalle statt. Wir waren live dabei, um das Event zu begleiten.

Gegen 15.00 kommen die ersten Gäste an, die Workshops stehen an: Breakdance, Beatbox und Graffiti im Oberhafenquartier, direkt hinter den Deichtorhallen mit urbaner Hafenkulisse. „Rap for Refugees“ soll auf die Banner gesprüht werden, so die Mission. Das Ergebnis empfängt später Künstler und Publikum auf der Bühne. Aber erstmal an die Dose ran tasten, ein Gefühl entwickeln, Stichwort „Strichstärke“. Ist eben doch etwas anderes als ein Stift, so eine Spraydose. Zum üben dienen große Papierbögen. Kunststück, denn dank der steifen Brise, die heute wieder in Hamburg weht sind hier gleich Skills gefragt. Drei junge Mädels zeigen Talent. Oh, die Farbe ging ins Auge. Naja, Aminata trägt den grünen Kajal mit Fassung und streetstyle Attitüde. Langsam haben sich alle warm gesprüht und kommen sichtlich auf den Geschmack. „Das ist das schönste. Wenn alle Spaß haben“, sagt Max, der Grundschullehrer ist und den Workshop betreut.
2017-06-28-RFR-Graffiti-17Foto: Sascha Niethammer

Die Breakdance Gruppe übt ihre erste Choreo ein. Der Profi steppt uns einen vor, das sieht ganz ordentlich aus. Ob man das auch kann? Der Tanztrupp aus vier Jungs und Mädels hat offensichtlich von Natur aus Rhythmus im Blut und kann das sehr wohl. Zu schüchtern ist hier niemand, alle trauen sich, schön zu sehen. Beat macht eben die Musik, der Spaß kommt von ganz allein. Die Moves sitzen, das erste Erfolgserlebnis ist da. „Macht gerne weiter, teilt es mit anderen. Wenn man etwas teilt, wird es noch schöner und größer“, motiviert Leman ihre Schützlinge. Der LUKULULE e.V. bietet unterschiedliche Hip Hop- und Tanzkurse an. Weitermachen ist also kein Problem. Eine Etage tiefer singen ein paar Freunde miteinander, aus der Halle ertönt der Soundcheck, die ersten Künstler sind eingetroffen und testen die Anlage.

rap4refugees_julia_workshops-197Foto:Julia Schwendner

rap4refugees_julia_workshops-190Foto:Julia Schwendner

rap4refugees_julia_workshops-066Foto:Julia Schwendner

19.00 Uhr, die Markthalle füllt sich. 20.00 Uhr, Stagetime. „Blazer“ eröffnet das Konzert mit ein paar Worten und fetten Bass, gefolgt vom ersten Beatboxer. Ah, der junge Mann, der vorhin noch meinte, „bin heute büschen müde und so“, ist scheinbar aufgewacht. „Shari Who?“, DJane und Co Moderatorin erzählt, warum wir heute alle hier sind: um zu helfen. Erklärt den Hintergrund des Events, stellt Initiator Basis & Woge e.V. vor. Die erzählen von Ata Anat und seiner Idee, Begeisterung und Überzeugungskraft. Nur dadurch konnte das alles entstehen. Anerkennender Applaus. Der nächste Act folgt. „Maxz“ animiert alle weit nach vorne zu kommen, die Menge folgt aufs Wort, als hätte sie nur darauf gewartet. Die Party geht los. „K383“ aus Berlin macht gut Lärm, da steckt richtig schön Druck hinter. Die Raps fliegen so schnell, so schnell kann man gar nicht mit dem Kopf nicken. Das ist wahre Rapkunst. „Shari Who“ macht zwischen den Acts immer wieder klar, dass sie gegen diese „braune Scheisse“ ist, die Schnauze voll davon hat und „Entschuldigung, das mal loswerden muss“. Ihre Laudatio auf Altona kündigt gleichzeitig die „Altonacken“ an. Hamburg City ist im deutlich im Haus. „Mazzaj“ fällt mit besonderen Style auf. Sein Raps rollt er mehr, als dass er sie spricht. „Reeperbahn Kareem“ schlägt die etwas härtere Gangart an, schleudert dem Publikum die Worte entgegen, das feiert gleich umso mehr. „Bruder, dreh´ den Bass auf, denn das ist alles, was ich hab!“. Als er fertig ist, ist er es eigentlich noch gar nicht, will noch nicht von der Bühne. „Gwen“ löst die toughen Kerle mit melodischen Gesang ab und bringt eine schöne Abwechslung ins Set. „Chima Ede“ liefert eine grossartige Performance ab, mitreissend.

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Berührend der Auftritt von Schirmherrin, Musikerin und Auschwitz überlebenden Esther Bejarano, die die Bühne anschließend betritt und entscheidende Worte spricht: „Das hier ist mehr als nur Rap, mehr als nur Musik, es bedeutet Gemeinschaft. Es ist Zeit für einen Aufschrei.“ Gänsehaut macht sich breit, es ist still, jeder einzelne lauscht ihren Worten. Zwischendrin tosender Applaus. Dann schmettert sie noch einen Song, Gipsy Stimmung erfüllt die Halle, alles klatscht, alles tanzt. Pure Freude. Diese beeindruckende Frau ist 92 Jahre alt.

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Das Finale steht an, „Disarstar“ betrifft die Stage und reisst die Menge mit. Die kennt die Songs, ganz besonders die weiblichen Fans ganz vorn, die verzückt ausrasten, sobald er in ihre Nähe kommt. „Ich bin ein Junge aus ´ner Großstadt, Hamburg Weltstadt!“
So ist es. Hamburg ist eine Weltstadt, das Tor zur Welt und jeder ist hier willkommen. Dieser Abend hat das gezeigt und das war erst der Anfang. „Rap for Refugees“ 2018 ist schon in der Mache. Die gesamte Crew trug heute schwarz/weiß, aber im Herzen bunt.

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Text: Lilli Gavric
Fotos: Julia Schwendner und Sascha Niethammer