Etwas stolz präsentiere ich euch heute die Kolumne von Kumpel Ale Dumbsky. Mehr oder minder monatlich gibt’s hier ein paar Worte von ihm und ich freue mich schon sehr auf die kommenden Episoden.

Beginnen wir heute mit einem kleinen Rückblick über die vergangenen Tage im Gefahrengebiet Hamburg, dessen Bewohner auch er mit seiner Familie ist.

-> Gossip aus dem Gefahrengebiet

Wie hinreichend bekannt sein dürfte, verfügt Hamburg seit ein paar Tagen über ein Gefahrengebiet. Das erstreckt sich über St. Pauli, das Karoviertel, Altona und noch ein paar andere Viertel. In der Praxis bedeutet das, dass jeder der dort irgendwie verdächtigt aussieht, zu jeder Tages- und Nachtzeit kontrolliert werden kann, inklusive Taschenkontrolle und optional drauf noch einen Platzverweis. Auf den allabendlichen Demos dagegen gibt es eine Menge Tratsch über das, was so in der Danger Zone los ist:

– Pech hatten zum Beispiel die fünf Leute, die sich abends am Schulterblatt jeweils einen Döner leisteten. Fünfer-Gruppe, nach Einbruch der Dunkelheit, draußen rumstehend – keine gute Idee. Platzverweis.

– Halbsuper lief es auch für einen Lehrer an einer Schule in Altona. Der wurde gleich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen von Hartschalenkoffern vor Schulbeginn auseinandergepflückt. Die Autorität gegenüber seinen Schülern dürfte komplett flöten gegangen sein.

– Gut dagegen läuft es im Einzelhandel mit Sanitärabteilung im Gefahrengebiet. Seit dem Clip mit der Personenkontrolle und der Klobürste sind diese fast überall ausverkauft, um damit den Einsatzfahrzeugen freundlich zuzuwinken. Gestriges Highlight: Eine Klobürsten-Laola an der Feldstraße. Wohlgemerkt von beiden Straßenseiten.

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Klonfa

– Etwas erstaunt waren auch die zwei Touristinnen aus Taiwan, die sich in einem Kessel am Operettenhaus wiederfanden. Nachdem sie den verlassen durften und ihnen von Demonstranten das Konzept “Gefahrengebiet“ erläutert wurde, wollten sie unbedingt noch ein Foto mit einem Klobürstenträger machen. Bei dem Dia Abend in Taiwan wäre ich gerne dabei.

– Komplett nach hinten los ging es für die Schülerin, die ihr Vor-Abi in Bio schreiben wollte. Auf dem Weg in die Schule angehalten und durchsucht worden. Was schreibt man eigentlich in so einem Fall als Entschuldigung? Die Polizei hat mich nicht zum Abi gelassen?

– Als etwas rüde fiel auch der Beamte auf der Demo am 21.12. auf, der einen Demonstranten recht harsch darauf hinwies, dass das Grundgesetz hier nicht mehr gelten würde. Wird die Danger Zone am Ende noch eine eigene Rechtsprechung bekommen? Langweilig wird es hier wirklich nie.

– Souverän äußerte sich der Marktleiter einer Edeka-Filiale im Gefahrengebiet, dem nach der Demonstration eine Scheibe eigeworfen wurde: “Wem schreibe ich jetzt die Rechnung, dem Kretschmer?“ (Kretschmer ist der vermeintliche Besitzer der Roten Flora), und: “Das waren nicht unsere Autonomen, die kaufen hier doch immer ein und sind sehr freundlich.“

Was einem passiert, wenn man vor der eigenen Haustür einen Platzverweis kassiert, werde ich berichten, sobald ich meinen ersten Verweis erteilt bekommen habe.

Foto: Miguel
Text: Ale Dumbsky / READ