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Ich habe eine sehr besondere Beziehung zu dem Film „The Shining“. In den 80er Jahren, in denen ich mit einem älteren Bruder aufgewachsen bin, ließ der es sich nicht nehmen, mit meinem Vater jeden noch so blutrünstigen Horrorfilm anzuschauen, während ich in meinem etwas abseits gelegenen Kinderzimmer die ganze Schlachterei auditiv verfolgt habe, da meine Familie anscheinend an einem kollektiven Hörschaden leidet. Der adoleszente Bruder war froh am nächsten Tag mit Splattergeschichten auf dem Schulhof angeben zu können und mein Vater machte sich als alter Chirurg darüber nur lächerlich, weil sein Arbeitstag wesentlich blutiger war und er meist das Skalpell selber rotieren ließ.

So habe ich „The Shining“ zuerst nur gehört und war im Anschluss, als die anderen schon im Bett verschwunden waren, in absolute Schockstarre verfallen und ich habe den Weg in den dunklen Flur zur Toilette nicht mehr geschafft und die Gefahr bestand, dass ich mir „vor Angst in die Hose mache“. Ich habe den Film das erste Mal bei der Geburtstagsfeier meines besten Freundes „wirklich“ gesehen und bin danach im dunklen Winter nach Hause gerannt, weil ich durch die verstörenden Bilder so ein merkwürdiges Gefühl in mir hatte, welches mich dazu Zwang „wegzurennen“.

„The Shining“ hat nie seinen Reiz für mich verloren. Er ist immer noch verstörend, immer noch so anders als das Buch (Stephen King tobt wahrscheinlich immer noch), voll von Ideen, Verweisen, Anspielungen und Parodien auf das Horror-Genre. Dieser Film, der im Werk von Stanley Kubrick meist nicht zu seinen Meisterwerken gezählt wird, funktioniert oberflächlich als Horror-Film, macht einen aber wahnsinnig, wenn man anfängt zwischen den Zeilen zu lesen.

Als mir verschiedene subtile Aspekte aufgefallen waren und ich mein VHS Tape gegen eine DVD tauschen konnte, habe ich den Film Dialog für Dialog und Standbild für Standbild angeschaut und analysiert. Meine Haupttheorie war damals, dass der Film vor allem eine Kritik am Genozid der Ureinwohner Amerikas ist, wofür ich so einige „Beweise“ ausfindig machen konnte. Amerika ein Land gebaut auf Blut und Horror.

Die Doku „Room 237“ beschäftigt sich genau mit solchen Theorien und Interpretationen. Anscheinend gibt es weltweit noch mehr Verrückte, die Filme „frame by frame“ auf sich wirken lassen. Sehr interessant, welche anderen Ansätze von der Doku noch angeboten werden. Ein Film für Nerds und Liebhaber. Ein interpretatives Spiel mit Bedeutungen. Ein gefundenes Fressen für alle die mehr sehen, mehr sehen wollen oder sich einbilden mehr zu sehen.

Wer dann noch nicht genug hat, kann sich noch ein bisschen auf der Seite „The Kubrick Site“ austoben. Dort gibt auch den einen oder anderen Artikel zu „The Shining“.

Room-237-Quad